Vitamin D und Grippe

Vitamin D und Erkältungen 

Vitamin D und Grippe

Vitamin D und Grippe: Vitamin D als Grippeschutz. Kann ein grippaler Infekt mit Vitamin D verhindert werden? Vitamin D schützt vor Grippe und Erkältungen.

Inhalt

  • Schützt Vitamin D vor Grippe?
  • Kann Vitamin D Erkältungen verhindern?
  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen Vitamin D und Grippewellen?
  • Lässt sich eine Grippe mit Vitamin D behandeln?

Vitamin D als Grippeschutz?

Vitamin D steuert verschiedene Aspekte des Immunsystems und ist damit ein wichtiger Baustein unserer Abwehrkräfte.

Vitamin D stärkt besonders die angeborene Immunabwehr und nimmt hier sogar eine zentrale Rolle ein: Im Fall einer Infektion wird die Produktion des Vitamin-D-Hormons Calcitriol stark erhöht. Das so umgewandelte Vitamin D wiederum regt die Produktion sehr wirksamer, körpereigener Abwehrstoffe an, die in der Lage sind, Bakterien, Pilze und Viren abzuwehren.

Die Erkenntnisse über die Rolle des Vitamin D im Immunsystem sind noch relativ jung und die daraus folgende Bedeutung des Vitamin D für verschiedene Erkrankungen noch kaum erforscht. Ein Bereich, in dem es allerdings schon einige vielversprechende Erkenntnisse gibt, ist der Zusammenhang von Vitamin D, Grippe und Erkältungen. Dieser Artikel soll darum den aktuellen Wissensstand zum Thema Vitamin D und Grippe zusammenfassen und aufzeigen, wie Vitamin D Grippe verhindern und möglicherweise sogar heilen kann.

Zusammenhang von Grippewellen und Vitamin D Status

Grippewellen sind ein saisonales Phänomen, dass fast ausschließlich im späten Herbst und Winter auftritt. Und zwar für einen bestimmten Breitengrad auf dem gesamten Globus fast gleichzeitig – und dies auch schon vor Zeiten vor des modernen Personentransports. Entgegen landläufiger Meinung ist aber nicht die Kälte verantwortlich für Grippen und Erkältungen, sondern ein Virus – wie kommt es also zu dieser Saisonalität?

Dafür gibt es bislang zwei Erklärungen

  1. Die Viren überleben im kalten Klima besser (weniger UV-Strahlen)
  2. Vitamin D schützt vor Grippe

Vermutlich ist es eine Kombination aus beiden Faktoren, welche die Saisonalität der Grippe verursacht. Grippeviren überleben in der Tat den Kontakt mit direkter Sonneneinstrahlung nicht, da sie sehr UV-empfindlich sind. (1)

Aber auch der Zusammenhang mit Vitamin D lässt sich leicht dadurch erklären, dass die Vitamin-D-Spiegel durch die ausbleibende Sonne zum Winter hin stark absinken und so die Abwehrkräfte des Körpers schwächen. (2)

Grippewellen treten immer in der Zeit niedriger Vitamin-D-Spiegel auf.

Grippewellen treten immer in der Zeit niedriger Vitamin-D-Spiegel auf.

Ein solcher Zusammenhang wurde schon lange vermutet, da niedrige Vitamin-D-Spiegel und Grippewellen stets zeitgleich auftreten. Er konnte aber erst in den letzten 10 Jahren durch zahlreiche Studien bestätigt werden, die einen klaren Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und der Häufigkeit von Erkältunngserkrankungen und Grippe aufzeigen konnten. (3 – 5)

Das ist wichtig

  • Vitamin D ist wichtig für die Funktion des Immunsystems.
  • Niedrige Vitamin-D-Spiegel erhöhen das Risiko, an Grippe zu erkranken.
  • Im Winter sollten Vitamin-D-Präparate eingenommen werden.

Vitamin D schützt vor Grippe – aber wie?

Aber wie genau kann Vitamin D Grippe verhindern? Nicht nur statistisch korreliert der Vitamin-D-Spiegel sehr gut mit Grippe-Erkrankungen, heute ist auch der genaue biochemische Wirkmechanismus gut bekannt: Vitamin D stärkt die angeborene Immunabwehr, weil es als eine Art Botenstoff benötigt wird, um wichtige Abwehrstoffe wie Defensin und Cathelicidin zu produzieren. (6) Wird ein Grippe-Erreger im Körper erkannt, sorgt ein Alarmsystem dafür, dass große Mengen von Vitamin D von der Speicherform 25-OH-Vitamin-D3 zum Vitamin-D-Hormons Cacitriol umgewandelt werden. Dieses bindet sich an spezielle Rezeptoren der Immunzellen, wo es die Ausschüttung körpereigener Abwehrstoffe verursacht. (7)

Gleichzeitig reguliert Vitamin D Teile des erworbenen Immunsystem, und hält die Immunantwort in einem Bereich, in dem Erreger zwar bekämpft werden, gleichzeitig aber auch eine übermäßige, körperschädigende Entzündung verhindert wird. (8)

Hat der Körper zu wenig Vitamin D, fehlt dem Immunsystem also sozusagen die Munition, um effektiv gegen die Grippe oder Erkältung angehen zu können. (9) Zwei verschiedene klinische Interventionsstudien konnten zeigen, dass das Risiko an Grippe zu erkranken durch einen guten Vitamin-D-Spiegel von mehr als 35 ng/ml nahezu halbiert werden kann. (10, 11)

Grippaler Infekt und Erkältungen – Vitamin D als Medizin?

Die meisten Studien konzentrieren sich aufgrund dieser sehr guten Ergebnisse derzeit auf Frage, ob Vitamin D Grippe verhindern kann. Die Ergebnisse dieser Forschungen legen aber nahe, dass sich Grippe mit Vitamin D auch behandeln lässt.

So zeigte eine oben bereits zitierte Studie, dass bei Vitamin-D-Spiegeln von 38 ng/ml eine Grippe etwa fünf mal schneller abklingt, als bei niedrigen Spiegeln: Während die wenigen Probanden in der Vitamin-D-Gruppe des Versuchs, die überhaupt an Grippe erkrankten, die Krankheit in etwa 48 Stunden besiegen konnten, hatten die Teilnehmer der Kontrollgruppe durchschnittlich 9 Tage mit dem Virus zu kämpfen. (11)

Dies bestätigen auch Erfolge aus der Praxis, wie sich beispielhaft aus diesem offenen Brief eines kanadischen Arztes ablesen lässt. (12)

„Ein Kollege von mir und ich haben den vergangenen Jahren bei den meisten unserer Patienten Vitamin D in Dosierungen eingeführt, die Vitamin-D-Spiegel von 40 ng/ml erreicht haben und wir sehen in unseren Kliniken jetzt nur noch sehr wenige Patienten mit Grippe oder grippeähnlichen Symptomen. Die Patienten mit Grippe behandeln wir mit dem „Vitamin-D-Hammer“, wie mein Kollege es gerne bezeichnet. Dies ist eine einmalige Dosis von 50 000 IU Dosis Vitamin D3 oder 3 mal täglich 10 000 IE über 2 bis 3 Tage. Die Ergebnisse sind dramatisch, mit vollständiger Rückbildung der Symptome in 48 bis 72 Stunden. […] Wir brauchen dringend Studien zu dieser Form der Intervention. Die Kosten für Vitamin-D betragen etwa einen Cent für 1000 IE, so dass diese Behandlung weniger als einen Dollar kostet.“

Die geforderten Studien zur akuten Behandlung von Grippe mit Vitamin D fehlen leider derzeit, so dass diese Therapie nur unter Vorbehalt in Hinsicht auf sehr gute Erfahrungen diverser Therapeuten empfohlen werden kann.

Fazit Vitamin D und Grippe

Grippe ist nur einer von vielen Gründen, im Winter sommerliche Vitamin-D-Spiegel aufrecht zu erhalten. Die meisten Menschen benötigen hierzu eine tägliche Dosis von etwa 3000-4000 IE Vitamin D3 von Oktober bis März.

Auf diese Weise lässt sich möglicherweise der Großteil aller Grippe-Erkrankungen verhindern. Eine akute Grippe kann möglicherweise mit hochdosierten Vitamin-D-Tropfen effektiv behandelt werden.

Quellen

  1. Fleming DM, Elliot AJ. Correspondence. Epidemiology and Infection. 2007;135(7):1091-1095. doi:10.1017/S0950268807008291.
  2. Juzeniene A, Ma LW, Kwitniewski M, Polev GA, Lagunova Z, Dahlback A, Moan J. The seasonality of pandemic and non-pandemic influenzas: the roles of solar radiation and vitamin D. Int J Infect Dis. 2010 Dec;14(12):e1099-105. doi: 10.1016/j.ijid.2010.09.002. Epub 2010 Oct 29. PubMed PMID: 21036090.
  3. Cannel JJ, Zasloff M, Garland CF, et al. On the epidemiology of influenza. Virology Journal 2008;12:1-12.
  4. Mascitelli L, Grant WB & Goldstein M. Obesity, Influenza Virus Infection, and Hypovitaminosis D. Journal of Infectious Diseases 2012;206:1481-2.
  5. Ginde AA, Mansbach JM, Camargo CA, Jr. Association Between Serum 25-Hydroxyvitamin D Level and Upper Respiratory Tract Infection in the Third National Health and Nutrition Examination Survey. Arch Intern Med. 2009;169(4):384-390. doi:10.1001/archinternmed.2008.560.
  6. Wang TT, Nestel FP, Bourdeau V, Nagai Y, Wang Q, Liao J, Tavera-Mendoza L, Lin R, Hanrahan JW, Mader S, White JH. Cutting edge: 1,25-dihydroxyvitamin D3 is a direct inducer of antimicrobial peptide gene expression. J Immunol. 2004 Sep 1;173(5):2909-12.
  7. Liu PT, Stenger S, Li H, Wenzel L, Tan BH, Krutzik SR, Ochoa MT, Schauber J, Wu K, Meinken C, Kamen DL, Wagner M, Bals R, Steinmeyer A, Zügel U, Gallo RL, Eisenberg D, Hewison M, Hollis BW, Adams JS, Bloom BR, Modlin RL. Toll-like receptor triggering of a vitamin D-mediated human antimicrobial response. Science. 2006 Mar 24;311(5768):1770-3. Epub 2006 Feb 23. PubMed PMID: 16497887.
  8. Khare D, Godbole N, Pawar SD, et al. Calcitriol [1, 25[OH]2 D3] pre- and post-treatment suppresses inflammatory response to influenza A (H1N1) infection in human lung A549 epithelial cells. European Journal of Clinical Nutrition 2013:52;1405-15.
  9. Lang PO & Samaras D. Aging Adults and Seasonal Influenza : Does the Vitamin D Status Arm the Body? Journal of Aging Research 2012;2012:1-9.
  10. Urashima M, Segawa T, Okazaki M, et al. Randomized trial of vitamin D supplementation to prevent seasonal influenza A in schoolchildren. American Journal of Clinical Nutrition 2010;91:1255-60.
  11. Sabetta J, Depetrillo P, Cipriani R, et al. Serum 25-Hydroxyvitamin D and the Incidence of Acute Viral Respiratory Tract Infections in Healthy Adults. PLoS One 2010;5(6):e11088.
  12. Schwalfenberg G. Vitamin D for influenza. Canadian Family Physician. 2015;61(6):507.



Leave a Reply