Vitamin D Mangel Haarausfall

Alopezie 

Vitamin D Mangel Haarausfall

Vitamin D Mangel und Haarausfall: Hilft Vitamin D gegen Haarausfall? Über die Rolle von Vitamin D in der Erhaltung der Haare.

Die Verbindung von Vitamin-D-Mangel und Haarausfall

Hilft Vitamin D, Haarausfall vorzubeugen? Was ist überhaupt der Zusammenhang von Vitamin D und Haaren? Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen wissenschaftlichen Stand zum Thema Vitamin D und Haarausfall, der leider noch immer nicht ganz eindeutig ist.

Der erste Hinweis, dass Haarausfall zu den Folgen eines Vitamin-D-Mangels zählen könnte, wurde durch einen Zufall entdeckt: Bei Menschen, die aufgrund einer seltenen Erbkrankheit in der Niere kein Vitamin-D-Hormon (Calcitriol) bilden können, wurde extrem häufig starker Haarausfall beobachtet – aber warum, war zunächst ein großes Rätsel.

So begann die Suche nach den Ursachen dieses Zusammenhangs in Tierversuchen, wobei sich schnell herausstellte, dass tatsächlich ein direkter Einfluss zu bestehen schien. Vitamin D wirkt durch die Bindung an spezielle Hormon-Rezeptoren, den sogenannten Vitamin-D-Rezeptor (VDR). Durch Versuche an Mäusen, bei denen eben dieser Rezeptor genetisch ausgeschaltet wurde, konnte schließlich bewiesen werden, dass der Zusammenhang tatsächlich ein direkter ist: Exakt wie die menschlichen Patienten zeigten die Mäuse zunächst ein normales Haarwachstum, bevor nach etwa einem Monat plötzlich nahezu alle Haare ausfielen. (1)

Aber wie genau kam es dazu und wie wirkte Vitamin D auf die Haare?

Vitamin D und Haarausfall: Wie hängen sie zusammen?

Zunächst musste also festgestellt werden, wo genau Haare überhaupt VDR-Rezeptoren aufweisen – denn bisher war deren Existenz an Haaren nicht mal vermutet worden. Sie wurden aber tatsächlich gefunden – und zwar sowohl an der Haarwurzel (genauer: der Haarpapille) als auch an der inneren epithelialen Haarwurzelscheide. (2) Es konnte gezeigt werden, dass es wohl vor allem die letzteren VDR sind, die sich für den Haarausfall verantwortlich zeigen.

Die Wirkung beruht auf einer Steuerung des Haarzyklus: Ein Haar Follikel durchläuft mehrere Phasen: Wachstum, Übergang, Ruhe und Neubildung. Bei einer genaueren Untersuchung stellte sich heraus, dass diese Rezeptoren sich vor allem in der Wachstumsphase des Haarzyklus (anagene Phase) und der Übergangssphase (catagene Phase) verstärkt bilden. Es wird daher angenommen, dass der VDR zusammen mit einigen Hormonen die Wachstumsphasen steuert und insgesamt den Haarzyklus aufrecht erhält. Ohne den VDR endet der Haarzyklus in der Übergangs- und Ruhephase und es wird kein neues Haar gebildet. (3) Wie genau der VDR hier involviert ist, weiß man derzeit noch nicht.

Es konnte aber erstaunlicherweise gezeigt werden, dass in diesem Fall nur der VDR-Rezeptor, nicht aber das Vitamin D für diese Wirkungen verantwortlich ist. (4, 5) Auch VDR, die so manipuliert wurden, dass sie gar kein Vitamin D binden können, sind noch in der Lage, den Haarzyklus aufrecht zu erhalten. (6) Diese Funktion erfüllt der Rezeptor also offenbar völlig unabhängig vom Vitamin-D-Hormon. (7, 8)

Wie genau der VDR diese Funktion erfüllt, wird derzeit noch erforscht. Auch ob Vitamin D nicht doch eine Funktion beim Haarwachstum innehat – denn der Fakt, dass ausgerechnet der Vitamin-D-Rezeptor den Haarzyklus steuert, ist schließlich recht bemerkenswert.

Vitamin D gegen Haarausfall?

Bestärkt wird die Möglichkeit, dass das Vitamin D selbst trotzdem eine Rolle bei der Erhaltung der Haare spielen könnte, durch ganz verschiedene wissenschaftliche Erkenntnisse, die zur Zeit noch nicht wirklich verstanden werden.

Zum einen ist da der Fakt, dass Männer mit partiellem Haarausfall auffällig niedrige Vitamin-D-Spiegel aufweisen und dass zudem die Schwere des Haarausfalls eindeutig mit der Schwere des Vitamin-D-Mangels korreliert, wie eine Studie aus 2014 zeigen konnte. (9) Wie dies zu erklären ist, und ob eine Supplementation von Vitamin D den Haarausfall in diesen Fällen aufhalten kann, ist noch Gegenstand der Forschung.

Das Vitamin-D-Hormon ist außerdem in der Lage, bei Mäusen in der Papillenschicht der Haut die Differenzierung von Haaren zu begünstigen. Bei der Transplantation von Haaren ließen sich so deutliche Verbesserungen der Ergebnisse erzielen, wenn zuvor der Vitamin-D-Spiegel angehoben wurde. (10)

Eine weitere interessante Entdeckung betrifft künstliche Formen von Vitamin D, die noch kaum erforscht sind: Neuerdings werden auch synthetische Formen von Vitamin D entwickelt, und gleich mehrere dieser Formen sind in der Lage, bei nackten Mäusen Haarwachstum zu stimulieren, während das eigentliche Vitamin-D-Hormon keinerlei Wirkung zeigte. (11, 12)  Neben dem Vitamin-D-Hormon produziert aber auch der Körper noch eine ganze Reihe von exotischen Vitamin-D-Formen, über deren Wirkungen bisher noch fast nichts bekannt ist.

Auch gegen den Haarausfall im Zuge einer Chemotherapie kann die aktive Form von Vitamin D schützen, wenn es auf die Haut aufgebracht wird – jedoch offenbar nur bei bestimmten Medikamenten. (13, 14)  Inwiefern sich diese Erkenntnis auf Umweltgifte übertragen lässt, ist bisher unklar.

Insgesamt zeigen diese Forschungen, dass die Wirkungen des Vitamin D noch längst nicht erschöpfend bekannt sind – und dass auch der Zusammenhang von Vitamin D und Haaren noch einige Überraschungen bereit halten könnte.

Vitamin D – (k)ein Mittel gegen Haarausfall?

Vitamin D ist nach den bisherigen Erkenntnissen höchstwahrscheinlich kein Mittel gegen bereits akuten Haarausfall oder zur Regeneration der Haare. Zudem scheint es vor allem der Vitamin-D-Rezeptor zu sein, dem hier die zentrale Rolle zukommt, nicht das Vitamin selbst. Die genauen Zusammenhänge und wie und warum ausgerechnet der Vitamin-D-Rezeptor den Haarzyklus steuert, wird sich wohl erst in den folgenden Jahren ganz aufklären lassen.

Die letztgenannten Forschungsergebnisse lassen aber nach wie vor den Schluss zu, dass eine gute Vitamin-D-Versorgung einen vorbeugenden Effekt haben könnte und eine Verschlimmerung des Haarausfalls verhindern könnte. Dies würde sich aber erst durch entsprechende Präventions-Studien klären lassen. Nach unseren Erkenntnissen sind diese jedoch in absehbarer Zeit leider nicht zu erwarten.

Quellen

  1. LI, Yan Chun, et al. Targeted ablation of the vitamin D receptor: an animal model of vitamin D-dependent rickets type II with alopecia. Proceedings of the National Academy of Sciences, 1997, 94. Jg., Nr. 18, S. 9831-9835.
  2. Reichrath, J., et al. (1994), Hair follicle expression of 1,25-dihydroxyvitamin D3 receptors during the murine hair cycle. British Journal of Dermatology, 131: 477–482. doi: 10.1111/j.1365-2133.1994.tb08547.x
  3. Sakai Y, Kishimoto J, Demay MB. Metabolic and cellular analysis of alopecia in vitamin D receptor knockout mice. J Clin Invest. 2001 Apr;107(8):961-6. PubMed PMID: 11306599; PubMed Central PMCID: PMC199557.
  4. Demay MB, MacDonald PN, Skorija K, Dowd DR, Cianferotti L, Cox M. Role of the vitamin D receptor in hair follicle biology. J Steroid Biochem Mol Biol. 2007 Mar;103(3-5):344-6. Epub 2007 Jan 16. PubMed PMID: 17223342; PubMed Central PMCID: PMC1876678.
  5. Malloy PJ, Feldman D. The role of vitamin D receptor mutations in the development of alopecia. Mol Cell Endocrinol. 2011 Dec 5;347(1-2):90-6. doi: 10.1016/j.mce.2011.05.045. Epub 2011 Jun 13. Review. PubMed PMID: 21693169; PubMed Central PMCID: PMC3196847.
  6. Kristi Skorija, Megan Cox, Jeanne M. Sisk, Diane R. Dowd, Paul N. MacDonald, Catherine C. Thompson, and Marie B. Demay. Ligand-Independent Actions of the Vitamin D Receptor Maintain Hair Follicle Homeostasis Molecular Endocrinology 2005 19:4, 855-862
  7. Amor, Karrie T; Rashid, Rashid M; & Mirmirani, Paradi. (2010). Does D matter? The role of vitamin D in hair disorders and hair follicle cycling. Dermatology Online Journal, 16(2).
  8. Demay, Marie B. The hair cycle and vitamin D receptor. Archives of biochemistry and biophysics, 2012, 523. Jg., Nr. 1, S. 19-21.
  9. Aksu Cerman, A., Sarikaya Solak, S. and Kivanc Altunay, I. (2014), Vitamin D deficiency in alopecia areata. British Journal of Dermatology, 170: 1299–1304. doi: 10.1111/bjd.12980
  10. Aoi N, Inoue K, Chikanishi T, Fujiki R, Yamamoto H, Kato H, Eto H, Doi K, Itami S, Kato S, Yoshimura K. 1a,25-dihydroxyvitamin D3 modulates the hair-inductive capacity of dermal papilla cells: therapeutic potential for hair regeneration. Stem Cells Transl Med. 2012 Aug;1(8):615-26. doi: 10.5966/sctm.2012-0032. Epub 2012 Jul 27. PubMed PMID: 23197867; PubMed Central PMCID: PMC3659730.
  11. Vijaya Vegesna, James O’Kelly, Milan Uskokovic, Jonathan Said, Nathan Lemp, Takayuki Saitoh, Takayuki Ikezoe, Lise Binderup, and H. Phillip Koeffler. Vitamin D3 Analogs Stimulate Hair Growth in Nude Mice. Endocrinology 2002 143:11, 4389-4396
  12. Verstuyf, Annemieke, et al. Recent developments in the use of vitamin D analogues. Expert opinion on investigational drugs, 2000, 9. Jg., Nr. 3, S. 443-455.
  13. Jimenez JJ, Yunis AA. Protection from chemotherapy-induced alopecia by 1,25-dihydroxyvitamin D3. Cancer Res. 1992 Sep 15;52(18):5123-5. PubMed PMID: 1516070.
  14. Wang, Jie; LU, Ze; AU, Jessie L.-S. Protection against chemotherapy-induced alopecia. Pharmaceutical research, 2006, 23. Jg., Nr. 11, S. 2505-2514.



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