Anfangstherapie – Vitamin D Kur

Vitamin D Aufsättigung 

Anfangstherapie – Vitamin D Kur

Vitamin D Anfangstherapie: Hochdosierte Vitamin-D-Kur zur Aufsättigung der Körperspeicher bei Vitamin-D-Mangel. Anleitung zur Dosierung der Stoßtherapie

Vitamin-D-Anfangstherapie – die hochdosierte Vitamin-D-Kur

Bei einem akuten Mangel an Vitamin D ist eine Versorgung mit üblichen Dosierungen oft nicht ausreichend, da sich auf diesem Wege die Blutspiegel erst über einen sehr langen Zeitraum erholen. (1, 2)

Grund dafür ist, dass in diesen Fällen die Vitamin-D-Körperspeicher komplett erschöpft sind. Diese fungieren jedoch als ein wichtiger Puffer, um den Vitamin-D-Spiegel stabil zu halten. Übliche Tagesdosierungen decken zwar den täglichen Bedarf, sind jedoch nicht geeignet, auch die Körperspeicher ausreichend zu füllen.

Die Vitamin-D-Körperspeicher umfassen etwa 200.000 bis 400.000 IE Vitamin D3 – entsprechend zielt die Anfangstherapie darauf ab, ungefähr diese Menge an Vitamin D durch eine Stoßtherapie in einem recht kurzen Zeitraum zuzuführen. (3) Dadurch normalisieren sich die Vitamin-D-Spiegel innerhalb weniger Tage und die normale Funktion des Körpers ist wieder hergestellt.

Die individuell nötige Menge lässt sich aus dem Vitamin-D-Spiegel vor der Stoßtherapie und dem Körpergewicht berechnen – in den meisten Fällen sind die weiter unten genannten Richtwerte jedoch sinnvolle allgemeine Empfehlungen.

Vitamin-D-Aufsättigung: Verschiedene Verfahren

Es gibt verschiedene Ansichten darüber, wie die Gesamtdosis der Anfangstherapie am besten einzunehmen ist: Während einige Therapeuten die gesamte Dosis auf einmal (Megadosen) oder auf drei sehr hohe Dosen verteilt verabreichen, bevorzugen andere eine Verteilung auf mehrere etwas kleinere Dosen, verteilt über einen etwas längeren Zeitraum.

In unseren Augen ist eine Kompromiss-Lösung sinnvoll: Eine sehr hohe Anfangsdosis, gefolgt von täglichen hohen Dosen. Die Gründe hierfür sollen weiter kurz erläutert werden.

Dosierungsempfehlung Vitamin-D-Anfangstherapie

Unsere Empfehlung lautet aus diesem Grunde wie folgt.

DosierungEinmalig: 50.000 IE dann
Täglich: 10.000 IE für 4-5 Wochen
150 – 200 µg/Tag  200 mg/Tag  

Unsere Empfehlung beinhaltet eine zusätzliche Zufuhr der Kofaktoren Vitamin K2 MK7 und Magnesium.

Vitamin K2 ist nötig für die Verwertung von Calcium, welches durch eine Normalisierung des Vitamin-D-Spiegels verstärkt aufgenommen wird. Ohne Vitamin K2 besteht die Gefahr, dass sich dieses Calcium ungenutzt in Gefäßen und Organen anlagert, was sich zum Beispiel im Verschluss von Blutgefäßen oder dem Entstehen von Nierensteinen äußern kann. (5, 6)

Magnesium ist notwendig, damit Vitamin D3 in seine Speicher- und Hormonformen umgewandelt werden kann. Bei einem Mangel an Magnesium steckt Vitamin D3 daher in einer biologisch nicht aktiven Form fest und kann seine Wirkung nicht entfalten. (7) Mehr zu diesem Thema findet sich in unserem Detailartikel.

Gründe, die gegen Megadosen sprechen

Es gibt in unseren Augen mehrere Gründe, die gegen die Verwendung von Megadosen um die 100.000 IE sprechen:

  1. Megadosen entsprechen nicht dem natürlichen Versorgungsmuster
  2. Megadosen beeinflussen den Vitamin-D-Metabolismus möglicherweise negativ
  3. Megadosen verursachen eine kurzfristige Überdosierung, deren Folgen unklar sind

Das natürliche Versorgungsmuster

Der Körper verhindert unter natürlichen Bedingungen durch spezielle Schutzmechanismen, dass mehr als etwa 20.000 IE Vitamin D auf einmal produziert werden. (4) Biologisch sind wir angepasst auf eine gleichmäßige Vitamin-D-Versorgung durch die Sonne und einen relativ konstanten Vitamin-D-Spiegel.

Hintergrund ist dabei einerseits, das Vitamin D im Körper zu einem Hormon umgewandelt wird, das Teil eines sensiblen Regulationssystems ist. Es ist bisher nicht untersucht, welchen Effekt Mega-Dosen Vitamin D auf diese Regulationssysteme ausüben, weshalb wir es für sinnvoll halten, sich an den biologisch maximal erreichbaren Werten zu orientieren.

Vitamin-D-Metabolismus

Megadosen Vitamin D setzen vermutlich einen Mechanismus in Gang der zur vermehrten Zerstörung des aktiven  Vitamin-D-Hormons führt, bis normale physiologische Spiegel wieder erreicht werden. (8) Dies würde zu einer kurzfristig geringeren Aktivität des Vitamin D führen.

Zudem werden bei Megadosen vermutlich weite Teile der Vitamin-D-Transportmoleküle (DBP) durch Vitamin D3 besetzt, das so die aktiven Formen verdrängt – auch dies führt zu einer kurzfristig geringen Vitamin-D-Aktivität.(9)

Kurzfristige Überdosierung

Auch wenn in klinischen Studien bei den üblichen Dosen der Stoßtherapie nur selten eine Hyperkalzämie (Vitamin-D-Vergiftung) festgestellt wird, gibt es doch zahlreiche Menschen die über starke Beschwerden bei Megadosen klagen. Allein diese Webseite erreichen täglich Hilferufe von Menschen, die schlechte Erfahrungen mit dieser Form der Therapie gemacht haben.

Woher diese Symptome kommen ist unklar: Störungen der hormonellen Regelkreise und entstehende Mängel an den oben genannten Kofaktoren wären zwei mögliche Erklärungen dafür.

Wann sollte man eine Vitamin-D-Kur durchführen?

In unseren Augen ist eine Vitamin-D-Kur bei allen Blutspiegeln unter 25 ng/ml (60 nmol/l) sinnvoll. Bei höheren Blutspiegeln sind die Körperspeicher noch nicht erschöpft und eine etwas erhöhte Tagesdosis von 4000-5000 IE reicht meist aus, um den Blutspiegel in einem vertretbaren Zeitraum ausreichend anzuheben.

Eine Anfangstherapie ist oftmals im Frühling nötig, weil die Vitamin-D-Spiegel nach dem sonnenlosen Winter meist aufgezehrt sind.

Kontrolle nach Stoßtherapie

Nach der vollständigen Anfangstherapie sollte der Vitamin-D-Spiegel überprüft werden, um den Erfolg sicherzustellen: Der Blutspiegel sollte sich auf mindestens 40 ng/ml erhöht haben. Ist dies nicht der Fall, sollte die Einnahme von 10.000 IE pro Tag bis zu diesem Ziel weiter verfolgt werden.

Vitamin-D-Präparate für die Anfangstherapie

Während wir zur allgemeinen Ergänzung vor allem Kombi-Präparate empfehlen, die eine fertige Mischung aus Vitamin D3 und Vitamin K2 MK7 enthalten, ist dies für die Anfangstherapie nicht die beste Option.

Der Bedarf an Vitamin K2 ist konstant und erhöht sich nicht mit der Vitamin-D-Dosis. Auch gibt es für Vitamin K2 keine Körperspeicher, die man auffüllen könnte. Bei einem Kombi-Präparat würden daher viel zu hohe Dosen Vitamin K2 eingenommen werden – dies ist zwar ungefährlich, aber auch unnötig und vor allem sehr teuer.

Aus diesem Grund sind hier zwei getrennte Präparate sehr viel sinnvoller. Da Vitamin D ein fettlösliches Vitamin ist, sind Vitamin-D-Öle in unseren Augen die beste Option. Für eine Vitamin-D-Anfangstherapie sind also zum Beispiel folgende Präparate sinnvoll.

  • Vitamin-D-Öl: 1000 IE pro Dosis, mindestens 300.000 IE gesamt
  • Vitamin K2 Mk7 Öl: 50 – 200 µg pro Dosis

Hilfe bei der Auswahl geeigneter Präparate bietet unsere große Übersicht

Fazit Vitamin D Kur

Eine Vitamin-D-Kur ist sinnvoll als Anfangstherapie in allen Fällen von akuter Unterversorgung und Vitamin-D-Mangel. Die hochdosierte Zufuhr bietet in diesen Fällen deutliche Vorteile gegenüber einer langfristigen Ergänzung mit kleineren Dosen. Ein Vitamin-D-Mangel ist eine erhebliche Belastung für den Körper und ein ernstes Gesundheitsrisiko, so dass das Ziel sein sollte, diesen in möglichst kurzer Zeit zu beheben.  

Quellen

  1. Holick, Michael F. Vitamin D deficiency. New England Journal of Medicine, 2007, 357. Jg., Nr. 3, S. 266-281.
  2. Holick, Michael F., et al. Evaluation, treatment, and prevention of vitamin D deficiency: an Endocrine Society clinical practice guideline. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2011, 96. Jg., Nr. 7, S. 1911-1930.
  3. Heaney RP, Horst RL, Cullen DM, Armas LA. Vitamin D3 distribution and status in the body. J Am Coll Nutr. 2009 Jun;28(3):252-6. Review. PubMed PMID: 20150598.
  4. Holick, Michael F., and D. Feldman. “Photobiology of vitamin D.” Vitamin D. (1997): 33-39.
  5. Vermeer C, Jie KS, Knapen MH. Role of vitamin K in bone metabolism. Annu Rev Nutr. 1995;15:1-22. Review. PubMed PMID: 8527213.
  6. Shearer, Martin J. Role of vitamin K and Gla proteins in the pathophysiology of osteoporosis and vascular calcification. Current Opinion in Clinical Nutrition & Metabolic Care, 2000, 3. Jg., Nr. 6, S. 433-438.
  7. Zittermann, Armin. Magnesium deficit? overlooked cause of low vitamin D status?. BMC medicine, 2013, 11. Jg., Nr. 1, S. 229.
  8. Vieth, Reinhold. How to optimize vitamin D supplementation to prevent cancer, based on cellular adaptation and hydroxylase enzymology. Anticancer Research, 2009, 29. Jg., Nr. 9, S. 3675-3684.
  9. Robert P. Heaney and Laura A.G. Armas. Quantifying the vitamin D economy. Nutrition Reviews Vol. 73(1):51–67

Bild: The Smell of Bokeh. von Neal Fowler Lizenz: cc-by