Anfangstherapie – Vitamin D Kur

Vitamin D Aufsättigung 

Anfangstherapie – Vitamin D Kur

Vitamin D Anfangstherapie: Hochdosierte Vitamin-D-Kur zur Aufsättigung der Körperspeicher bei Vitamin-D-Mangel. Anleitung zur Dosierung der Stoßtherapie

Vitamin-D-Anfangstherapie – die hochdosierte Vitamin-D-Kur

Bei einem akuten Mangel an Vitamin D ist eine Versorgung mit üblichen Dosierungen nicht ausreichend, da sich auf diesem Wege die Blutspiegel erst über einen sehr langen Zeitraum erholen. (1, 2) Ein Mangel sollte aber möglichst schnell behoben werden, um das Risiko von schweren Folgeerkrankungen so gering wie möglich zu halten.

Deshalb wird heute meist eine hochdosierte Anfangstherapie empfohlen, um den Mangel schenll zu beheben. Dieser Artikel soll beleuchten, warum dies sinnvoll ist und gibt eine genaue Anleitung für die Anfangstherapie.

Dabei sind einige wichtige Punkte zu beachten:

  1. Die richtige Dosierung
    Einige oft empfohlene Dosierungs-Protokolle führen zu unerwünschten Nebenwirkungen durch Störungen des Vitamin-D-Metabolismus.
  2. Kofaktoren
    Besonders bei der Anfangstherapie ist eine ausreichende Versorgung mit den Wirkpartnern von Vitamin D kritisch, da sonst die Wirksamkeit des Vitamin D gefährdet ist und sekundäre Nährstoffmängel entstehen können.

“Auffüllen” mit Vitamin D

Die Anfangstherapie wird umgangssprachlich auch als “Aufüllen” bezeichnet, was nicht ganz falsch ist. Nach einem längeren Mangel sind die Reserven im Blut und auch die Vitamin-D-Körperspeicher komplett erschöpft. Bei kleinen Dosen wird ein guter Teil des aufgenommenen Vitamin D deshalb vom Körperfett aufgenommen und gelangt nicht in die Zirkulation, wo es dringend gebraucht wird. Denn übliche Tagesdosierungen decken zwar den täglichen Bedarf, sind jedoch nicht geeignet, gleichzeitig auch die Körperspeicher ausreichend zu füllen.

Die Vitamin-D-Körperspeicher im Fettgewebe umfassen etwa 200.000 bis 400.000 IE Vitamin D3 – entsprechend zielt die Anfangstherapie darauf ab, ungefähr diese Menge an Vitamin D durch eine Stoßtherapie in einem recht kurzen Zeitraum zuzuführen. (3) Dadurch werden sowohl die Fettreserven als auch das Blut ausreichend gesättigt und die Vitamin-D-Spiegel erholen sich innerhalb weniger Tage. So wird die normale Funktion des Körpers schnell wieder hergestellt.

Die individuell nötige Menge lässt sich aus dem Vitamin-D-Spiegel vor der Stoßtherapie und dem Körpergewicht berechnen – in den meisten Fällen sind die weiter unten genannten Richtwerte jedoch sinnvolle allgemeine Empfehlungen.

Vitamin-D-Aufsättigung: Verschiedene Verfahren

Es gibt verschiedene Ansichten darüber, wie die Gesamtdosis der Anfangstherapie am besten einzunehmen ist: Während einige Therapeuten die gesamte Dosis auf einmal geben (Megadosen) oder auf drei noch immer sehr hohe Dosen verteilen, bevorzugen andere eine Verabreichung in etwas kleineren Dosen, verteilt über einen etwas längeren Zeitraum.

In unseren Augen ist eine Kompromiss-Lösung sinnvoll: Eine sehr hohe Anfangsdosis, gefolgt von täglichen hohen Dosen. Die Gründe hierfür sollen weiter unten kurz erläutert werden.

Dosierungsempfehlung Vitamin-D-Anfangstherapie

Unsere Empfehlung lautet wie folgt:

DosierungEinmalig: 50.000 IE dann
Täglich: 10.000 IE für 4-5 Wochen
150 – 200 µg/Tag  200 mg/Tag  

Unsere Empfehlung beinhaltet eine zusätzliche Zufuhr der Kofaktoren Vitamin K2 MK7 und Magnesium.

Vitamin K2 ist nötig für die Verwertung von Calcium, welches durch eine Normalisierung des Vitamin-D-Spiegels verstärkt aufgenommen wird. Ohne Vitamin K2 besteht die Gefahr, dass sich dieses Calcium ungenutzt in Gefäßen und Organen anlagert, was sich zum Beispiel im Verschluss von Blutgefäßen oder dem Entstehen von Nierensteinen äußern kann. (5, 6)

Magnesium ist notwendig, damit Vitamin D3 in seine Speicher- und Hormonformen umgewandelt werden kann. Bei einem Mangel an Magnesium steckt Vitamin D3 daher in einer biologisch nicht aktiven Form fest und kann seine Wirkung nicht entfalten. (7) Zudem wird durch die hohe Umwandlunsrate vermehrt Magnesium verbraucht, was die Vorräte des Minerals erschöpfen kann. Mehr zu diesem Thema findet sich auch in unserem Detailartikel.

Vitamin-D-Präparate für die Anfangstherapie

Während wir zur allgemeinen Ergänzung vor allem Kombi-Präparate empfehlen, die eine fertige Mischung aus Vitamin D3 und Vitamin K2 MK7 enthalten, ist dies für die Anfangstherapie nicht die beste Option.

Der Bedarf an Vitamin K2 ist konstant und erhöht sich mit der Vitamin-D-Dosis nicht wesentlich. Auch gibt es für Vitamin K2 keine Körperspeicher, die man auffüllen könnte. Bei einem Kombi-Präparat würden daher viel zu hohe Dosen Vitamin K2 eingenommen werden – dies ist zwar ungefährlich, aber auch unnötig und vor allem sehr teuer.

Aus diesem Grund sind für die Anfangstherapie zwei getrennte Präparate sehr viel sinnvoller. Da Vitamin D ein fettlösliches Vitamin ist, sind Vitamin-D-Öle in unseren Augen die beste Option. Diese sind zudem flexibel dosierbar und lassen sich auch nach der Therapie für die tägliche Versorgung weiterverwenden. 

Passende Präparate im Internet suchen

Für eine Vitamin-D-Anfangstherapie sind also zum Beispiel folgende Präparate sinnvoll, die sich mit den rechts genannten Suchwörtern finden lassen.

*öffnet eine Web-Suche in der Suchmaschine Google

Gründe, die gegen Megadosen sprechen

Es gibt in unseren Augen mehrere Gründe, die gegen die Verwendung von Megadosen über 50.000 IE sprechen:

  1. Megadosen entsprechen nicht dem natürlichen Versorgungsmuster
  2. Megadosen beeinflussen den Vitamin-D-Metabolismus möglicherweise negativ
  3. Megadosen verursachen eine kurzfristige Überdosierung, deren Folgen unklar sind

Das natürliche Versorgungsmuster

Der Körper verhindert unter natürlichen Bedingungen durch spezielle Schutzmechanismen, dass mehr als etwa 20.000 IE Vitamin D auf einmal produziert werden. (4) Biologisch sind wir angepasst auf eine gleichmäßige Vitamin-D-Versorgung durch die Sonne und einen relativ konstanten Vitamin-D-Spiegel.

Hintergrund ist dabei einerseits, das Vitamin D im Körper zu einem Hormon umgewandelt wird, das Teil eines sensiblen Regulationssystems ist. Es ist bisher nicht untersucht, welchen Effekt Mega-Dosen Vitamin D auf diese Regulationssysteme ausüben, weshalb wir es für sinnvoll halten, sich an den biologisch maximal erreichbaren Werten zu orientieren.

Vitamin-D-Metabolismus

Megadosen Vitamin D setzen vermutlich einen Mechanismus in Gang der zur vermehrten Zerstörung des aktiven  Vitamin-D-Hormons führt, bis normale physiologische Spiegel wieder erreicht werden. (8) Dies würde zu einer kurzfristig geringeren Aktivität des Vitamin D führen.

Zudem werden bei Megadosen vermutlich weite Teile der Vitamin-D-Transportmoleküle (DBP) durch Vitamin D3 besetzt, das so die aktiven Formen verdrängt – auch dies führt zu einer kurzfristig geringen Vitamin-D-Aktivität in der Calcium-Regulation.(9)

Kurzfristige Überdosierung

Auch wenn in klinischen Studien bei den üblichen Dosen der Stoßtherapie nur selten eine Hyperkalzämie (Vitamin-D-Vergiftung) festgestellt wird, gibt es doch zahlreiche Menschen, die über starke Beschwerden bei Megadosen klagen. Allein diese Webseite erreichen täglich Hilferufe von Menschen, die schlechte Erfahrungen mit dieser Form der Therapie gemacht haben.

Woher diese Symptome kommen ist unklar: Störungen der hormonellen Regelkreise und entstehende Mängel an den oben genannten Kofaktoren wären zwei mögliche Erklärungen dafür.

Wann sollte man eine Vitamin-D-Kur durchführen?

In unseren Augen ist eine Vitamin-D-Kur bei allen Blutspiegeln unter 25 ng/ml (60 nmol/l) sinnvoll. Bei höheren Blutspiegeln sind die Körperspeicher noch nicht erschöpft und eine etwas erhöhte Tagesdosis von 4000-5000 IE reicht meist aus, um den Blutspiegel in einem vertretbaren Zeitraum ausreichend anzuheben.

Eine Anfangstherapie ist oftmals im Frühling nötig, weil die Vitamin-D-Spiegel nach dem sonnenlosen Winter meist aufgezehrt sind.

Kontrolle nach Stoßtherapie

Nach der vollständigen Anfangstherapie sollte der Vitamin-D-Spiegel überprüft werden, um den Erfolg sicherzustellen: Der Blutspiegel sollte sich auf mindestens 40 ng/ml erhöht haben. Ist dies nicht der Fall, sollte die Einnahme von 10.000 IE pro Tag bis zu diesem Ziel weiter verfolgt werden.

Fazit Vitamin D Kur

Eine Vitamin-D-Kur ist sinnvoll als Anfangstherapie in allen Fällen von akuter Unterversorgung und Vitamin-D-Mangel. Die hochdosierte Zufuhr bietet in diesen Fällen deutliche Vorteile gegenüber einer langfristigen Ergänzung mit kleineren Dosen. Ein Vitamin-D-Mangel ist eine erhebliche Belastung für den Körper und ein ernstes Gesundheitsrisiko, so dass das Ziel sein sollte, diesen in möglichst kurzer Zeit zu beheben.  

Quellen

  1. Holick, Michael F. Vitamin D deficiency. New England Journal of Medicine, 2007, 357. Jg., Nr. 3, S. 266-281.
  2. Holick, Michael F., et al. Evaluation, treatment, and prevention of vitamin D deficiency: an Endocrine Society clinical practice guideline. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2011, 96. Jg., Nr. 7, S. 1911-1930.
  3. Heaney RP, Horst RL, Cullen DM, Armas LA. Vitamin D3 distribution and status in the body. J Am Coll Nutr. 2009 Jun;28(3):252-6. Review. PubMed PMID: 20150598.
  4. Holick, Michael F., and D. Feldman. “Photobiology of vitamin D.” Vitamin D. (1997): 33-39.
  5. Vermeer C, Jie KS, Knapen MH. Role of vitamin K in bone metabolism. Annu Rev Nutr. 1995;15:1-22. Review. PubMed PMID: 8527213.
  6. Shearer, Martin J. Role of vitamin K and Gla proteins in the pathophysiology of osteoporosis and vascular calcification. Current Opinion in Clinical Nutrition & Metabolic Care, 2000, 3. Jg., Nr. 6, S. 433-438.
  7. Zittermann, Armin. Magnesium deficit? overlooked cause of low vitamin D status?. BMC medicine, 2013, 11. Jg., Nr. 1, S. 229.
  8. Vieth, Reinhold. How to optimize vitamin D supplementation to prevent cancer, based on cellular adaptation and hydroxylase enzymology. Anticancer Research, 2009, 29. Jg., Nr. 9, S. 3675-3684.
  9. Robert P. Heaney and Laura A.G. Armas. Quantifying the vitamin D economy. Nutrition Reviews Vol. 73(1):51–67

Bild: The Smell of Bokeh. von Neal Fowler Lizenz: cc-by