Vitamin D in der Schwangerschaft

 

Vitamin D in der Schwangerschaft

Vitamin D während der Schwangerschaft: Vitamin-D, Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck und Frühgeburten – die Bedeutung von Vitamin D für Mutter und Kind.

Inhalt

  • Sollte man in der Schwangerschaft Vitamin D einnehmen?
  • Versursacht ein Vitamin-D-Mangel Schwangerschaftsdiabetes?
  • Welche Auswirkungen hat ein Vitamin-D-Mangel auf das Kind?
  • Kann zu viel Vitamin D Allergien auslösen?

Vitamin D während der Schwangerschaft

Vitamin D hat zahlreiche zentrale Aufgaben im Körper und einen großen Einfluss auf die kindliche Entwicklung und generelle Gesundheit. Vitamin D ist wichtig für den Aufbau des Skeletts, die Ausbildung des Immun- und Nervensystems und viele andere Bereiche der Entwicklung.

Entsprechend wichtig ist eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung der Mutter während der Schwangerschaft – nur bei einer ausreichenden Versorgung kann sich das Kind optimal entwickeln. Leider erreichen fast alle schwangeren Frauen im Winter keine optimalen Vitamin-D-Werte und selbst im Sommer ist bei 50 Prozent der Frauen ein latenter Vitamin-D-Mangel festzustellen. (1 – 3)

Vitamin D und Kindesentwicklung

Schon kurz nach dem Einsetzen der Schwangerschaft beginnt der Körper unmittelbar, den Vitamin-D-Stoffwechsel zu optimieren. Der Vitamin-D-Spiegel und das Vitamin-D-Hormon Calcitriol steigen an und es werden vermehrt spezielle Vitamin-D-Transportmoleküle gebildet. (27) Der Calcitriol-Spiegel verdreifacht sich im ersten Trimester, die Anzahl der Transportmoleküle verdoppelt sich. Schon jetzt lässt sich erahnen, welche Rolle Vitamin D für die Schwangerschaft spielt.

Ewta 4 Wochen nach Beginn der Schwangerschaft wird die Plazenta gebildet und der Körper der Mutter beginnt sofort, Vitamin D zum Kind zu transportieren. Der Vitamin-D-Spiegel in der Nabelschnur ist dabei direkt von der Höhe der Vitamin-D-Spiegel der Mutter abhängig. (28)

Interessanterweise wird nicht direkt das aktive Vitamin-D-Hormon, sondern nur freies Vitamin D3 und die Speicherform (25-OH-D) zum Kind transprotiert. Die Plazenta und die Nieren des Fötus sorgen dann gemeinsam für eine von der Mutter unabhängige Regulation des Vitamin-D-Hormons.

Die Bedeutung von Vitamin D für das Kind

Vitamin D ist wichtig für die Entwicklung der Plazenta und des Kindes, es wird angenommen, dass Vitamin D eine zentrale Rolle in der epigenetischen Prägung des Kindes spielt. (32)

Vitamin D beeinflusst dabei: (31)

  • die Entwicklung der Plazenta
  • die Entwicklung des Gehirns
  • die Entwicklung des Immunsystems
  • die Entwicklung von Organen und Skelett
  • die Genaktivität (Epigenetik)
  • die Entwicklung des Stoffwechsels
  • die Zusammensetzung der Gewebe

Eine gute Versorgung mit Vitamin D im Mutterleib legt so wichtige Grundsteine für die Gesundheit des Kindes und prägen diese für das ganze Leben.

Vitamin D, Schwangerschaft und Gesundheit

Verschiedene Studien konnten zeigen, dass Vitamin D aber nicht nur die Gesundheit des Kindes, sondern auch der Mutter beeinflusst: Niedrige Vitamin-D-Werte gingen einher mit dem Auftreten von Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck, bakteriellen Scheidenentzündungen und Frühgeburten. (4)

Ob diese Symptome wirklich durch den Vitamin-D-Mangel verursacht werden, oder nur zeitgleich auftreten, ist noch nicht bewiesen, allerdings gibt es plausible Modelle, welche alle diese Zusammenhänge biochemisch erklären können. (5)

Andere Ergebnisse zeigen, dass sowohl niedrige als auch extrem hohe Vitamin-D-Spiegel möglicherweise die Entstehung von Allergien beim Kind begünstigen. (13). Mehr als in irgendeiner anderen Lebensphase ist es also in der Schwangerschaft wichtig, optimale Vitamin-D-Werte zu erreichen.

Das ist wichtig

  • Schwangere sollten ihren Vitamin-D-Spiegel testen lassen
  • Spiegel zwischen 40-60 ng/ml sind optimal
  • Zu niedrige aber auch zu hohe Werte bergen Risiken.

Vitamin D und Schwangerschaftsdiabetes

Besonders gut erforscht ist derzeit der Zusammenhang von Vitamin D und Schwangerschaftsdiabetes. Niedrige Vitamin-D-Spiegel unter 20 ng/ml zu Beginn der Schwangerschaft erhöhen diversen Studien zu Folge das Risiko einer Schwangerschaftsdiabetes etwa um das Doppelte. (6 – 9)

Eine Schwangerschaftsdiabetes konnte in verschiedenen Studien auch erfolgreich mit einer Supplementation von Vitamin D und Calcium behandelt werden. (10, 11)

Die Datenlage ist also recht gut, aufgrund der zum Teil kleinen Studien gelten diese Ergebnisse bisher aber trotzdem nicht als gesichert, weil ausreichend große Interventionsstudien fehlen. Eine in dieser Hinsicht vielversprechende Studie wird in den nächsten Jahren ziemlich sicher eindeutige Ergebnisse liefern können. (12)

Vitamin-D-Dosierung in der Schwangerschaft

Die Dosierung von Vitamin D in der Schwangerschaft ist eine recht individuelle Frage ist: Je nach Sonnenexposition, Körpergewicht und Lebensstil sind unterschiedliche Dosierungen nötig, um optimale Vitamin-D-Spiegel zu erreichen.

Schwangere sollten einen Vitamin-D-Spiegel anstreben, der zwischen 40 und 50 ng/ml liegt – denn niedrigere aber auch höhere Werte haben in verschiedenen Studien Gesundheitsrisiken aufgezeigt. Die individuell nötige Vitamin-D-Dosierung sollte daher durch Bluttests ermittelt werden.

Diese können beim Arzt gemacht werden, es gibt aber inzwischen auch spezielle Test-Kits für den Heimgebrauch, wo durch einen kleinen Stich in die Fingerkuppe Blut gewonnen wird.

Allergien: Ist Vitamin D in der Schwangerschaft schädlich?

Einige Mütter wurden durch aktuelle Studien verunsichert, die vermuteten, dass für das Kind das Risiko von Lebensmittelallergien und Asthma bei sehr hohen mütterlichen Vitamin-D-Spiegeln steigt. (13 – 15)

Da Vitamin D großen Einfluss auf die Ausbildung des Immunsystems hat, wird schon länger vermutet, dass Vitamin D ein kritischer Faktor bei der Entstehung von Allergien und Autoimmunerkrankungen ist. Vermutet wird, dass dies durch die Regulation der sogenannten regulatorischen T-Zellen bedingt ist, welche wiederum für die Stärke der Immunantwort mit verantwortlich sind.

Bisher konnte gezeigt werden, dass ein kindlicher Vitamin-D-Mangel das Risiko einer Allergie um das 5-10-fache erhöht. (18 – 25). Viele Forscher sind sogar der Ansicht, dass die sinkenden Vitamin-D-Spiegel der Kinder Hauptgrund für immer weitere Verbreitung von Allergien sind. (26)

Die neuen Studien legen nun nahe, dass der Zusammenhang U-förmig sein könnte, also sowohl niedrige als auch sehr hohe Vitamin-D-Spiegel das Risiko für Allergien und Asthma erhöhen. (16, 17)

Eine weitere Möglichkeit ist, dass das Verhältnis von Vitamin D zu weiteren Kofaktoren wie Vitamin A hier eine Rolle spielt – in diesem Bereich sind die genauen Zusammenhänge also noch unklar.

Fazit Vitamin D in der Schwangerschaft

Es ist zu empfehlen, in der Schwangerschaft den genauen Vitamin-D-Spiegel ermitteln zu lassen und darauf zu achten, dass dieser weder unter 30 ng/ml, noch über 50 ng/ml liegt.

Welche Dosis dafür nötig wird, ist individuell verschieden und kann bei Kenntnis des aktuellen Blutwertes individuell errechnet werden.

Informationen hierzu im Artikel Vitamin-D-Dosierung.

Quellen

  1. Wuertz C, Gilbert P, Baier W, Kunz C. Cross-sectional study of factors that influence the 25-hydroxyvitamin D status in pregnant women and in cord blood in Germany. Br J Nutr. 2013 Nov;110(10):1895-902. doi: 10.1017/S0007114513001438.
  2. Martineau AR, Khan K. Maternal vitamin D insufficiency is associated with adverse pregnancy and neonatal outcomes. Evid Based Med. 2014 Feb;19(1):e4. doi: 10.1136/eb-2013-101368. Epub 2013 Jul 31.
  3. Wei SQ, Qi HP, Luo ZC, Fraser WD. Maternal vitamin D status and adverse pregnancy outcomes: a systematic review and meta-analysis. J Matern Fetal Neonatal Med. 2013 Jun;26(9):889-99. doi: 10.3109/14767058.2013.765849.
  4. Aghajafari F, Nagulesapillai T, Ronksley PE, Tough SC, O’Beirne M, Rabi DM. Association between maternal serum 25-hydroxyvitamin D level and pregnancy and neonatal outcomes: systematic review and meta-analysis of observational studies. BMJ. 2013 Mar 26;346:f1169. doi: 10.1136/bmj.f1169. Review.
  5. Kirschner, W., Dudenhausen, J. W. Medikamentöse Krankheitsprävention mit Vitamin D-Epidemiologische Evidenz am Beispiel von Komplikationen im Verlauf der Schwangerschaft und bei der Geburt. Das Gesundheitswesen, 2014, 76. Jg., Nr. 5, S. 325-330.
  6. Zhang C, Qiu C, Hu FB, David RM, van Dam RM, Bralley A, et al. (2008) Maternal Plasma 25-Hydroxyvitamin D Concentrations and the Risk for Gestational Diabetes Mellitus. PLoS ONE 3(11): e3753. doi:10.1371/journal.pone.0003753
  7. Poel, Y.H.M. et al. Vitamin D and gestational diabetes: A systematic review and meta-analysis. European Journal of Internal Medicine , Volume 23 , Issue 5 , 465 – 469
  8. Alzaim M, Wood RJ. Vitamin D and gestational diabetes mellitus. Nutr Rev. 2013 Mar;71(3):158-67. doi: 10.1111/nure.12018.
  9. Maghbooli, Z., Hossein-nezhad, A., Karimi, F., Shafaei, A.-R. and Larijani, B. (2008), Correlation between vitamin D3 deficiency and insulin resistance in pregnancy. Diabetes Metab. Res. Rev., 24: 27–32. doi: 10.1002/dmrr.737
  10. Asemi Z, Karamali M, Esmaillzadeh A. Effects of calcium-vitamin D co-supplementation on glycaemic control, inflammation and oxidative stress in gestational diabetes: a randomised placebo-controlled trial. Diabetologia. 2014 Sep;57(9):1798-806. doi: 10.1007/s00125-014-3293-x.
  11. Asemi Z, Hashemi T, Karamali M, Samimi M, Esmaillzadeh A (2013) Effects of vitamin D supplementation on glucose metabolism, lipid concentrations, inflammation, and oxidative stress in gestational diabetes: a double-blind randomi zed controlled clinical trial. Am J Clin Nutr 98:1425 – 1432
  12. Jelsma JG, van Poppel MN, Galjaard S, Desoye G, Corcoy R, Devlieger R, van Assche A, Timmerman D, Jans G, Harreiter J, Kautzky-Willer A, Damm P, Mathiesen ER, Jensen DM, Andersen L, Dunne F, Lapolla A, Di Cianni G, Bertolotto A, Wender-Oegowska E, Zawiejska A, Blumska K, Hill D, Rebollo P, Snoek FJ, Simmons D. DALI: Vitamin D and lifestyle intervention for gestational diabetes mellitus (GDM) prevention: an European multicentre, randomised trial – study protocol. BMC Pregnancy Childbirth. 2013 Jul 5;13:142. doi: 10.1186/1471-2393-13-142.
  13. Weisse K, Winkler S, Hirche F, Herberth G, Hinz D, Bauer M, Röder S, Rolle-Kampczyk U, von Bergen M, Olek S, Sack U, Richter T, Diez U, Borte M, Stangl GI, Lehmann I. Maternal and newborn vitamin D status and its impact on food allergy development in the German LINA cohort study. Allergy. 2013 Feb;68(2):220-8. doi: 10.1111/all.12081.
  14. HYPPöNEN, E., SOVIO, U., WJST, M., PATEL, S., PEKKANEN, J., HARTIKAINEN, A.-L. and JäRVELINB, M.-R. (2004), Infant Vitamin D Supplementation and Allergic Conditions in Adulthood: Northern Finland Birth Cohort 1966. Annals of the New York Academy of Sciences, 1037: 84–95. doi: 10.1196/annals.1337.013
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  19. Feuille, E. J.,  Nowak-Węgrzyn, A. H.. Vitamin D Insufficiency Is Associated With Challenge-Proven Food Allergy in Infants. Pediatrics, 2013, 132. Jg., Nr. Supplement 1, S. S7-S8.
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